Lehre

Maturität auf dem zweiten Bildungsweg

Das Nachholen von schulischen oder beruflichen Abschlüssen wird als zweiter Bildungsweg bezeichnet. Wer an einer Uni oder Fachhochschule studieren will, kann auch als Erwachsene/r die Maturität nachholen.

Wer auf diesem Weg die Berufsmaturität oder die gymnasiale Maturität macht, öffnet sich den Zugang zu Fachhochschulen, Universitäten und ETHs. Auch wenn es noch andere Möglichkeiten gibt: Nach wie vor ist die gymnasiale Maturität der Köngisweg an Universität und ETH. Ebenso ist die Berufsmaturität der Hauptzugang an die Fachhochschulen.

Maturität ist nicht gleich Maturität

Grundsätzlich erlaubt Ihnen eine gymnasiale Maturität den Zugang zu einer Universität/ETH und eine Berufsmaturität den Zugang zu den Fachhochschulen. Die gymnasiale Maturität bescheinigt Ihnen, dass Sie die Hochschulreife erlangt haben. Das Maturitätszeugnis wird Ihnen nach dem Bestehen der Maturitätsprüfungen ausgehändigt, welche in sieben Grundlagenfächern, einem Schwerpunktfach und einem Ergänzungsfach abgelegt werden.

Die Grundlagenfächer gewähren Ihnen eine breit gefächerte und solide Allgemeinbildung; mit dem Ergänzungsfach können Sie die durch das Schwerpunktfach gewählte Ausrichtung verstärken oder kompensieren. Zusätzlich ist eine Maturitätsarbeit zu verfassen.

Die folgenden fünf Maturitätsprofile definieren sich über die Schwerpunktfächer:

Übersicht Maturitätsprofile

MaturitätsprofilSchwerpunktfächer
Altsprachliches Profil
Latein und/oder Griechisch
Neusprachliches Profil
eine der modernen Sprachen
Mathematisch­naturwissenschaftliches Profil
Biologie und Chemie oder Physik und Anwendungen der Mathematik
Wirtschaftlich-rechtliches Profil
«Wirtschaft und Recht»
Musisches ProfilBildnerisches Gestalten oder Musik

Alle Maturitätstypen berechtigen zu einem universitären Studium. Falls Sie sich später für ein Studienfach entscheiden, das Latein- oder Griechischkenntnisse verlangt, können Sie diese Kenntnisse auch während des Studiums an der Universität nachholen (siehe dazu unser Merkblatt «Lateinobligatorium an Schweizer Universitäten»). Entsprechende Kurse werden von den Universitäten angeboten. Eine gymnasiale Maturität berechtigt Sie auch zu einem Studium im Ausland.

Die Berufsmaturität wird in der Regel parallel zur Grundbildung (Lehre) erworben und in der dem Lehrberuf entsprechenden Richtung abgeschlossen (BM 1). Sie kann aber auch erst nach der Lehre (Dauer: Vollzeit 1 Jahr, Teilzeit 1½–2 Jahre) absolviert werden (BM 2). Zur Ausbildung wird zugelassen, wer ein Fähigkeitszeugnis vorweisen kann und eine Aufnahmeprüfung bestanden hat.

Die passende Ausrichtung

Die Berufsmaturität wird in folgenden fünf Ausrichtungen angeboten. Bei der BM 2 wird der Schwerpunkt sinnvollerweise am vorgesehenen Studiengang der Fachhochschule oder an den Berufszielen ausgerichtet.

  • Gestaltung und Kunst
  • Gesundheit und Soziales
  • Wirtschaft und Dienstleistungen
    Typ Wirtschaft
    Typ Dienstleistungen
  • Natur, Landschaft und Lebensmittel
  • Technik, Architektur, Life Sciences

Die Berufsmaturität ist Voraussetzung für den Eintritt ins erste Semester an einer Fachhochschule. Sie entbindet aber nicht von Eignungsprüfungen gemäss den Vorgaben der einzelnen Fachhochschulen.

Wie erwerbe ich eine Maturität auf dem zweiten Bildungsweg?

Sie können die gymnasiale Maturität und die Berufsmaturität (BM 2) sowohl an öffentlichen als auch an privaten Ausbildungsinstitutionen oder im Selbststudium nachholen. Die öffentlichen und die privaten Anbieter unterscheiden sich in einigen Belangen. Zum Beispiel, was die Aufnahmebedingungen betrifft, welche Maturitätsprofile oder Unterrichtsformen (Voll- oder Teilzeit, Fernkurs) gewählt werden können und wie hoch das Schulgeld ist. Zu beachten ist auch, ob Sie in der Schule eine interne Maturität (sogenannte Haus maturität) ablegen können oder ob diese extern (sogenannte Fremdmaturität) von der Schweizerischen Maturitätskommission bzw. der Eidgenössischen Berufsmaturitätskommission durchgeführt wird. Bei der Hausmaturität werden die erworbenen Noten angerechnet.

Die wichtigsten Anbieter im Kanton Zürich

Öffentliche Schulen

TypAdresse
gymnasiale Maturitätwww.kme.ch
Berufsmaturitätwww.mba.zh.ch

* Die Zulassung zu schweizerischen Universitäten ist nicht einheitlich und hängt von zusätzlichen Bedingungen ab.

Die Zeit für die Vorbereitung auf die gymnasiale Maturität kann sich je nach Vorbildung verkürzen. So können Berufsmaturandinnen und -maturanden an der KME ins dritte Semester einsteigen.

Wenn Sie die gymnasiale Maturität im Selbststudium, d. h. ohne den Besuch einer vorbereitenden Schule, erwerben möchten, müssen Sie sich direkt bei den schweizerischen Maturitätsprüfungen einschreiben. Anhand der Verordnung und anhand von Prüfungsaufgaben früherer Jahre können Sie den Schwierigkeitsgrad der Prüfung in etwa abschätzen. Die Erfahrung zeigt allerdings, dass eine eigenständige Vorbereitung schwierig ist. Die Verordnung über die schweizerischen Maturitätsprüfungen, Angaben zur Anmeldung und Einschreibung so wie Beispiele von Prüfungsaufgaben (nach Fächern geordnet) finden Sie unter

Falls Sie die Berufsmaturitätsprüfung nach individueller Vorbereitung ablegen möchten, erfahren Sie alles Wichtige wie Zeitpunkt, Stoffpläne, Anmeldeadresse, Anmeldeformulare etc. unter

Auswahl der Ausbildungsinstitution

Vergleichen Sie die Ausbildungsinstitutionen und deren Angebote, und überlegen Sie, welche Ihrer persönlichen Situation am meisten entsprechen.

Ein Gradmesser für die Qualität der Schule ist die Quote erfolgreicher Absolventinnen und Absolventen. Verlangen Sie dazu die statistischen Angaben. Überlegen Sie sich auch, welches Profil oder welche Fachrichtung für Sie in Frage kommt, welche Unterrichtsform Ihnen am ehesten liegt und Ihrer gegenwärtigen beruflichen und persönlichen Situation entgegenkommt.

Kosten

Prüfen Sie, welche finanziellen Belastungen Sie tragen können. Eine allfällige Stipendienberechtigung klären Sie am besten vorgängig ab. Erste Informationen und Hinweise auf weitere Informationsmöglichkeiten finden Sie in unserem Merkblatt «Stipendien – das Wichtigste in Kürze».

Zugang zur Universität und ETH ohne gymnasiale Maturität

Aufnahmeprüfung

Grundsätzlich können Sie die Zulassung zum Studium an einer Universität oder ETH mit einer Aufnahmeprüfung erlangen. Ausgenommen davon sind die Medizinalstudien (Human-, Zahn- und Veterinärmedizin, Pharmazie). Der Inhalt der Prüfungen entspricht im Wesentlichen den schweizerischen Maturitätsprüfungen.

Die Universität Luzern kennt eine fakultätsgebundene Aufnahmeprüfung, die nur fünf Fächer umfasst und jeweils Zugang zu den Studiengängen der betreffenden Fakultät gewährt. Für die Zulassung zu dieser Prüfung müssen allerdings bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein.

«sans Matu» / Studieren ohne Maturität

An den Universitäten Bern, Freiburg, Genf, Lausanne, Neuenburg und der italienischen Schweiz ist es möglich, einige Fachrichtungen ohne Maturitätszeugnis («sans matu»/Studieren ohne Maturität) zu studieren. Dabei kommen besondere Aufnahmeverfahren zur Anwendung, die von Universität zu Universität, von Fakultät zu Fakultät verschieden sind. Oft wird ein bestimmtes Mindestalter vorausgesetzt.

Passerelle

Berufs- und Fachmaturandinnen und -maturanden erhalten beim Bestehen der Ergänzungsprüfung «Passerelle» Zugang zu allen schweizerischen universitären Hochschulen und zu allen Studienrichtungen. Zugang zu ausländischen Hochschulen verschafft die Passerelle aber nur dort, wo diese freiwillig anerkannt wird (siehe dazu unser Merkblatt «Passerelle»).

Mit FH­-Diplom

Mit einem FH-Diplom sind Sie zu allen universitären Bachelorstudien zugelassen. Je nach Studiengang können Sie auch direkt ein Masterstudiengang in Angriff nehmen. Dabei müssen jedoch meist gewisse Auflagen erfüllt werden.