Mittelschule und Studium

Alles zum Master: Populäre Fragen und Irrtümer

Im November findet die jährliche Mastermesse in Oerlikon statt. Wir finden: Anlass genug, um sich mal genauer dem Masterstudium zu widmen. In unserem Beitrag erfahrt ihr, wann sich der Master lohnt, wie man damit sein Studium in eine andere Richtung lenken kann und warum Master nicht immer gleich Master ist.

Alles zum Master: Populäre Fragen und Irrtümer

«Warum gibt es den Master?»

Im Zuge der Bologna-Reform gelten in Europa überall dieselben Abschlüsse: Bachelor und Master. Das zweijährige Masterstudium ergänzt das zuvor absolvierte grundlegende Bachelorstudium. Im Master vertiefst du Grundlagen aus dem dreijährigen Bachelorstudium, setzt eigene Schwerpunkte und stellst deine wissenschaftlichen Fähigkeiten am Ende in der Abschlussarbeit, der Masterarbeit, unter Beweis.

«Wann braucht man ihn, wann nicht?»

Trotz der formalen Unterteilung wird das Bachelor- und Masterstudium an den Universitäten als eine geschlossene Einheit betrachtet. Denn: Der Masterabschluss ist nach wie vor der Regelabschluss an einer Universität. Immer noch gilt, dass in der Regel erst der Master zu einer Berufstätigkeit qualifiziert. Etwa 90% der Bachelorabsolventen an Schweizer Universitäten absolvieren einen Master.

Bei den Fachhochschulen sieht der Fall anders aus. Ein Bachelorabschluss ist hier bereits berufsqualifizierend. Die meisten FH-Absolventen treten daher auch nach ihrem Bachelorabschluss direkt in die Arbeitswelt ein, nur jeder Fünfte vertieft sich in einem Master. Ausnahmen bestätigen aber auch hier die Regel: In einige Studiengängen wie z. B. in Psychologie wird für den Berufseinstieg auch an einer FH ein Masterabschluss verlangt.

«Hat man bessere Karrierechancen, wenn man den Master macht?»

Das werden wir oft gefragt. Wir können auf diese Frage keine allgemeingültige Antwort geben, ausser so viel: Wer an einer Schweizer Universität studiert oder später in die Forschung oder Lehre einsteigen möchte, sollte den Master machen. Er wird sogar vorausgesetzt. Besonders als Vorstufe zu einer Dissertation (Doktorarbeit).

Für Absolventen der Fachhochschulen ist er in den Regel nicht für eine Berufsqualifikation nötig. Trotzdem kann es vom gewünschten Berufsziel abhängen, ob man ein Masterstudium noch dranhängt oder nicht. Für alle anderen: Schaden wird er wahrscheinlich nicht, allein matchentscheidend ist er wohl aber auch nicht. Deswegen würden wir nicht empfehlen, sich blind nur auf einen Master zu verlassen. Denn Berufserfahrung oder spezialisierte Weiterbildungen können je nach Fall gefragter sein als ein forschungsorientierter Masterstudiengang. Oft wird unterschätzt wie wichtig es ist, bereits während dem Studium relevante Berufserfahrung zu sammeln. Die Lücke zwischen Bachelor und Master ist dafür wie geschaffen.

«Kann ich beim Übergang Bachelor-Master das Fach wechseln?»

Während ein Fachwechsel nach dem Bachelorabschluss bei unseren Nachbarn im angelsächsischen Raum gang und gäbe ist, ist die Hochschultradition in der Schweiz eine andere: Das Masterstudium dient grundsätzlich als inhaltliche Fortsetzung und wissenschaftliche Vertiefung – Fächerwechsel sind eigentlich nicht vorgesehen.

Deswegen ist an Schweizer Hochschulen auch der konsekutive Master noch der Regelfall. Dieser baut inhaltlich auf einen vorangehenden Bachelor auf. Zu (fast) jedem Bachelor gibt es auch einen dazugehörigen Masterstudiengang. Wer also einen Master in Biologie machen möchte, muss vorher sein Bachelorstudium in Biologie abgeschlossen haben. Wechseln ist nur dann möglich, wenn die Fachrichtungen zu einem hohen Grad miteinander übereinstimmen.

Mehr und mehr gibt es aber die Möglichkeit im Masterstudium neue Wissensgebiete zu erschliessen. An den Universitäten ist es z. B. neu vereinzelt möglich, das Nebenfach aus dem Bachelorstudium im Master als Hauptfach fortzuführen. Ausnahmen stellen auch die sogenannten spezialisierten Masterstudiengänge dar. Hier steht ein bestimmter Schwerpunkt, der interdisziplinär angegangen wird, im Fokus. Der Master in Nachhaltiger Entwicklung an der Universität Basel konzentriert sich z. B. auf die Nachhaltigkeitsaspekte mit interdisziplinären Ansätzen aus Natur, Gesellschaft und Wirtschaft. Zugelassen werden daher Bachelorabsolventen aus einer ganzen Reihe fachverwandter Studienrichtungen wie z. B. Ethnologie oder Erdwissenschaften und viele andere. Hier findest du das Angebot spezialisierter Master.

«Was ist ein Joint Master?»

Dieser Master löst immer ein kleines Schmunzeln aus, aber natürlich geht es hier um etwas anderes – nämlich um die Zusammenarbeit zweier Hochschulen. Die Heimatuniversität geht eine Kooperation mit einer in- oder ausländischen Universität ein, um das Studienprogramm optimal zu ergänzen. Der Vorteil für die Studierenden: Sie haben die Möglichkeit zwei Masterabschlüsse simultan zu erwerben.

«Warum ist Master nicht immer gleich Master?»

Neben den hier erwähnten grundlegenden Masterstudiengängen gibt es auch noch Masterdiplome, die ein anderes Zielpublikum ansprechen. Der Master of Advanced Studies (MAS) ist ein Nachdiplomstudiengang. Gedacht ist er für Personen, die ihr Studium schon abgeschlossen, bereits einige Jahre Berufserfahrung hinter sich haben und sich in einem bestimmten Fachgebiet weiterbilden möchten. Obwohl auch dieser Abschluss einen Master im Titel trägt, liegt der Fokus hier nicht in der Forschung, sondern ganz klar auf der Praxis. MAS sind berufsbegleitende Weiterbildungen und finden am Abend oder am Wochenende statt. Der Arbeitsaufwand eines MAS entspricht ca. der Hälfte eines regulären Masterstudiengang (ca. 60 ECTS). Voraussetzung ist ein abgeschlossenes Studium (Bachelor an einer FH, Master an einer Uni). Nachdiplome sind im freien Weiterbildungsmarkt angesiedelt und gehören nicht mehr zur staatlichen Grundausstattung, was bedeutet, dass die Kosten selber getragen werden müssen. Eine der bekanntesten Weiterbildungsstudiengänge ist der Master of Business Administration, kurz MBA. Gedacht ist er für Personen, die im fortgeschrittenen Berufsleben Managementaufgaben übernehmen wollen, selber aber kein Wirtschaftsfach studiert haben. Einen Überblick über alle Nachdiplomstudiengänge findest du unter diesem Link.