Sekundarschule

Brückenangebote und Zwischenlösungen nach der Sekundarschule

Brückenangebote überbrücken die Zeit zwischen obligatorischer Schule und Erstausbildung. Sie richten sich an Jugendliche, die keine Lehrstelle gefunden haben oder für die eine Berufswahl noch zu früh ist. In einem Zwischenjahr erhalten Schulabgängerinnen und Schulabgänger Unterstützung in der Berufsfindung und Lehrstellensuche. Sie erweitern ihr Wissen, bereiten sich auf ihr Berufsziel vor oder lernen besser Deutsch. Ein solches Zwischenjahr kann für den gelungenen Start in eine Ausbildung wertvoll sein.

Wer bis im Frühling des letzten Schuljahres keine Anschlusslösung gefunden hat, sollte sich mit einem Brückenangebot befassen. Es wird empfohlen, sich frühzeitig über die verschiedenen Angebote zu informieren. Gleichzeitig lohnt es sich, weiterhin eine Lehrstelle zu suchen, denn es gibt bis in die Sommerferien offene Stellen. Bevor sich Jugendliche auf die Suche nach einem Brückenangebot machen, sollten sie mit ihrem oder ihrer Berufsberater oder Berufsberaterin sprechen: Wie läuft die Lehrstellensuche? Könnten die Bewerbungsunterlagen verbessert werden? Gab es schon Vorstellungsgespräche und wie waren sie? Sind Bewerbungen für verschiedene Berufe verschickt worden, welche anderen Berufe würden auch noch passen? Und: Welche Termine sind wichtig?

Passendes Angebot finden - Tipps

Die Auswahl an Brückenangeboten im Kanton Zürich ist gross. Vor der Wahl eines Angebots braucht es eine gründliche Auseinandersetzung mit der persönlichen Situation, mit den Voraussetzungen, Wünschen und Bedürfnissen der Jugendlichen. Gespräche – nicht nur mit Berufsberatenden, sondern auch mit Lehrpersonen, Eltern und Freunden – können weiterhelfen. Es empfiehlt sich, Websites und Infoveranstaltungen verschiedener Anbieter zu besuchen und Brückenangebote zu vergleichen. Auf der Suche nach dem richtigen Angebot sind folgende Punkte zu klären:

  • Ziele des Brückenangebots
  • Voraussetzungen für die Aufnahme
  • Kosten der Ausbildung, inkl. Nebenkosten
  • Programme und Stundenpläne
  • Anmeldefristen

Es ist wichtig, nicht irgendein Brückenangebot zu wählen, sondern eines, das zur Ausgangslage der Jugendlichen passt. Je nachdem brauchen sie neben der Unterstützung in der Berufs- und Schulwahl auch spezielle Hilfe zur Förderung ihrer Motivation und Sozialkompetenzen, zur Klärung von Interessen, Eignungen, Neigungen und Fähigkeiten. Ein gut gewähltes Brückenangebot kann die Chancen erhöhen, anschliessend in der Berufswelt Fuss zu fassen.

Brückenangebote sind entweder öffentlich oder privat organisiert, wobei letztere teurer sind. Einige sind eher schulisch, andere mehr praktisch ausgerichtet.

Öffentliche Angebote: BVJ und SEMO

Für den Entscheid, welches der beiden öffentlich finanzierten Brückenangebote besser passt, muss die jeweilige Lebenssituation der Jugendlichen und ihr Stand in der Berufswahl genau betrachtet werden – die folgende Übersicht hilft dabei. Es gilt der Grundsatz «Bildung vor Arbeit»: Ein Berufsvorbereitungsjahr (BVJ) ist einem Motivationssemester (SEMO) vorzuziehen. Die SEMO richten sich an stellenlose Jugendliche und eine Anmeldung beim Regionalen Arbeitsvermittlungszentrum (RAV) ist erforderlich.

Überblick Berufsvorbereitungsjahre (BVJ)

TypSituation JugendlicheAngebotProgramm
Schulisches BVJindividuelles Bildungsdefizit

Berufswahl klären

Wissenslücken schliessen

Alter: bis 17 Jahre
Hilfe bei der Berufsfindung

Unterstützung bei der Lehrstellensuche

Vertiefung allgemeiner Schulstoff

Wissen zu Berufsbranchen
5 Tage Schule, davon 20-40 % praktische Ausbildung

Schnupperpraktika

Erste kurze Berufseinblicke in Werkstätten

Beiträge Eltern / Bezugspersonen Fr. 2500.– (Kostengutsprache durch Wohngemeinde möglich)
Praktisches BVJindividuelles Bildungsdefizit

Beruf oder Berufsfeld gewählt

Keine passende Lehrstelle im Wunschberuf gefunden

Notwendige Reife für selbstständiges, praktisches Arbeiten noch nicht (vollständig) erreicht

Alter: bis 17 Jahre
Vorbereitung auf Berufsziel bzw. angestrebtes Berufsfeld

Unterstützung bei der Lehrstellensuche

Einblicke in Arbeitswelt

Üben praktischer Fertigkeiten

Hilfe im schulischen, sozialen Bereich
5 Tage Schule, davon 40-60 % praktische Ausbildung

Schnupperpraktika

Praktische Tätigkeit in WerkstättenBeiträge Eltern / Bezugspersonen Fr. 2500.– (Kostengutsprache durch Wohngemeinde möglich)
Betriebliches BVJindividuelles Bildungsdefizit

Beruf oder Berufsfeld gewählt

Keine passende Lehrstelle im Wunschberuf gefunden

Notwendige Reife und Fähigkeit, an einem Praktikums platz selbstständig zu arbeiten, ist erreicht

Im schulischen und sozialen Bereich ist keine oder nur wenig Hilfe nötig

Alter: bis 17 Jahre
Vorbereitung auf Berufsziel bzw. angestrebtes Berufsfeld

Unterstützung bei der Lehrstellensuche

Erste Arbeitserfahrungen in einem Betrieb

Anwenden praktischer Fertigkeiten
1–2 Tage Schule mit allgemeinbildendem Inhalt (Stufe Sek I)

3-4 Tage Einsatz in einem Betrieb mit produktiver Arbeit (70-80 %)

Beiträge Eltern / Bezugspersonen Fr. 500.– (Kostengutsprache durch Wohngemeinde möglich
Integrationsorientiertes BVJ
individuelles Bildungsdefizit

Jugendliche, die noch nicht lange in der Schweiz leben und noch nicht gut Deutsch sprechen

Alter: bis 21 Jahre
Vertiefung Deutschkenntnisse und allgemeiner Schulstoff

Schweizerische Berufswelt, Kultur und Gesellschaft kennen lernen

Unterstützung bei der Berufswahl und Lehrstellensuche
5 Tage Schule, insbesondere Deutsch, davon 20-40 % praktische Ausbildung

Schnupperpraktika

Erste kurze Berufseinblicke in Werkstätten

Beiträge Eltern / Bezugspersonen Fr. 2500.– (Kostengutsprache durch Wohngemeinde möglich)

Überblick Motivationssemester (SEMO)

TypSituation JugendlicheAngebotProgramm
Einzeleinsatzplatz
Beruf oder Berufsfeld gewählt

Keine passende Lehrstelle im Berufsfeld gefunden oder Lehre abgebrochen

Arbeitslosigkeit steht bevor

Soziale, finanzielle oder persönliche Schwierigkeiten

Notwendige Reife und Fähigkeit, den Anforderungen eines Einsatzplatzes nachzukommen, ist erreicht

Alter: bis 19 Jahre
Vorbereitung auf Berufsziel bzw. angestrebtes Berufsfeld

Wissen zur gewählten Berufsgruppe, Branche

Suche nach geeignetem Einsatzplatz sowie Lehrstelle

Sicherer Rahmen durch enge Betreuung und Auffangnetz

Erste Arbeitserfahrungen in einem Betrieb
Potenzialabklärung: Schulwissen, Stand Berufswahl, persönliche Voraussetzungen

10-20 % Schule

10-20 % Coaching

70-80 % Einsatz in einem Betrieb mit produktiver Arbeit

Nachbetreuung bei Bedarf während der Probezeit in der Lehre
Gruppeneinsatzplatz

Beruf oder Berufsfeld gewählt

Keine passende Lehrstelle im Berufsfeld gefunden oder Lehre abgebrochen

Arbeitslosigkeit steht bevor

Soziale, finanzielle oder persönliche Schwierigkeiten

Enge Unterstützung in persönlicher Entwicklung nötig

Notwendige Reife für selbstständiges, praktisches Arbeiten noch nicht (vollständig) erreicht

Alter: bis 19 Jahre

Vorbereitung auf Berufsziel bzw. angestrebtes Berufsfeld

Wissen zur gewählten Berufsgruppe, Branche

Lehrstellensuche

Sicherer Rahmen durch enge Betreuung und Auffangnetz

Einblicke in Arbeitswelt

Üben praktischer Fertigkeiten
Potentialabklärung: Schulwissen, Stand Berufswahl, persönliche Voraussetzungen

10-20 % Schule

10-20 % Coaching

70-80 % Einsatz in internen Werkstätten und Betrieben

Nachbetreuung bei Bedarf während der Probezeit in der Lehre

Private und weitere Brückenangebote und Zwischenlösungen

Private Berufsvorbereitungsjahre

Jugendliche müssen schulische Lücken schliessen und ihre Berufswahl klären oder sie haben sich für einen Beruf entschieden und wollen sich gezielt darauf vorbereiten. Je nach Situation und Angebot geschieht dies eher auf dem schulischen oder berufspraktischen Weg.

Vorkurs, Sozialjahr, Praktikum oder Arbeitseinsatz

Jugendliche haben ihre Berufswahl getroffen und wollen in einen der Bereiche Gestaltung, Gesundheit oder Soziales einsteigen. Diverse private Angebote dienen der Vorbereitung sowie Klärung von Motivation und Eignung für das angestrebte Berufsfeld und können den Berufseinstieg erleichtern. Ein gestalterischer Vorkurs oder ein soziales Praktikum ist jedoch keine Voraussetzung für eine Lehrstelle in diesen Arbeitsfeldern.

Wer sich für die Natur interessiert, für den könnte ein Landdienst eine gute Zwischenlösung sein: Jugendliche helfen mit auf Bauernhöfen.

Sportlich oder musisch begabte Jugendliche wollen sich in ihrem Sport oder ihrer Kunst weiterentwickeln und sollten gleichzeitig eine schulische oder berufliche Grundbildung absolvieren. Verschiedene öffentliche und private Schulen bieten Lehrgänge an, die solche Jugendliche auf eine Erstausbildung vorbereiten.

Wer sich für die Natur interessiert, für den könnte ein Landdienst eine gute Zwischenlösung sein: Jugendliche helfen mit auf Bauernhöfen.

Sportlich oder musisch begabte Jugendliche wollen sich in ihrem Sport oder ihrer Kunst weiterentwickeln und sollten gleichzeitig eine schulische oder berufliche Grundbildung absolvieren. Verschiedene öffentliche und private Schulen bieten Lehrgänge an, die solche Jugendliche auf eine Erstausbildung vorbereiten.

Vorlehren

Jugendliche haben sich für einen konkreten Beruf entschieden, aber keine Lehrstelle gefunden. In einer Vorlehre klären Jugendliche ihre Eignung für den Beruf und stärken ihre praktischen Kompetenzen. In einem Vorlehrbetrieb gehen sie einer produktiven Arbeit nach und erhalten einen Lohn. Diese Zwischenlösung wird direkt vom zuständigen Betrieb organisiert und Jugendliche besuchen an 1.5 Tagen die Berufsfachschule.

Brückenangebote bereiten grundsätzlich auf eine Berufslehre vor. Daneben gibt es Zwischenlösungen, die auf eine weiterführende Schule vorbereiten oder dem Spracherwerb dienen.

Mittelschulvorbereitung

Jugendliche haben die Aufnahmeprüfung an eine Mittelschule (noch) nicht bestanden oder erst spät entdeckt, dass für ihr Berufsziel eine Mittelschule vorausgesetzt wird. In privaten Vorbereitungskursen können sie sich auf die Aufnahmeprüfung vorbereiten. Es wird aber empfohlen, dass sie gleichzeitig auch nach einer geeigneten Lehrstelle suchen.

Sprachaufenthalte

Jugendliche wollen ihre Fremdsprachenkenntnisse erweitern, fremde Länder und Kulturen kennenlernen oder einfach eine Auszeit nehmen. Diverse Möglichkeiten stehen ihnen zur Verfügung, von einem Au-pair-Aufenthalt, über ein Hauswirtschaftsjahr in der Romandie oder Schuljahr in einer anderen Sprache bis hin zu einem Austauschprogramm. Achtung: Die Lehrstellensuche aus der Ferne ist schwierig, weshalb vor der Abreise Vorabklärungen zu treffen sind, wenn noch keine Zusage zu einer Anschlusslösung vorliegt.

Sekundarschul-Abschluss nachholen

Jugendliche haben entweder die Schule frühzeitig abgebrochen, keinen in der Schweiz anerkannten Abschluss oder erst bei der Lehrstellensuche bemerkt, dass für ihren Wunschberuf ein Sekundarschul-Abschluss auf Niveau A notwendig ist. Verschiedene Schulen bieten die Möglichkeit, einen anerkannten Sek-Abschluss nachzuholen – hierbei handelt es sich aber nicht um ein eigentliches Brückenangebot.