Sekundarschule

Praktische Ausbildung (PrA) nach INSOS

Die Praktische Ausbildung PrA ist eine national organisierte zweijährige Lehre unterhalb der zweijährigen beruflichen Grundbildung mit eidgenössischem Berufsattest (EBA). Die PrA wurde von Institutionen entwickelt, die sich auf die Bildung von Jugendlichen mit besonderem Unterstützungsbedarf spezialisiert haben. Träger der PrA ist INSOS Schweiz, der nationale Branchenverband der Institutionen für Menschen mit Behinderung. Er erteilt Lehrbetrieben auf Antrag eine Bildungsbewilligung und ist für die Qualitätssicherung und Aufsicht zuständig.

Quelle: INSOS Schweiz | https://www.insos.ch/praktische-ausbildung | Flyer über die Praktische Ausbildung PrA

Chancen eröffnen

Die PrA ermöglicht Jugendlichen mit besonderem Unterstützungsbedarf den Einstieg in eine berufliche Grundbildung mit eidgenössischem Berufsattest (EBA) oder in eine Tätigkeit im ersten Arbeitsmarkt. PrA-Lernende erhalten wie andere Lernende die Chance, eine berufliche Identität zu entwickeln, was sich positiv auf die Persönlichkeitsbildung, das Selbstwertgefühl und die Alltagsbewältigung auswirkt. Sie durchlaufen ein individuell angepasstes Ausbildungsprogramm, das ausgewählte (Teil-)Kompetenzen des EBA-Bildungsplans umfasst. PrA-Lernende lernen unter individueller und professioneller Begleitung, einfache praktische Tätigkeiten selbstständig auszuführen, für die auf dem Arbeitsmarkt eine Nachfrage besteht.

Kompetenzen erlangen

Nach Abschluss der PrA überprüft ein externer Experte im Rahmen des Qualifikationsverfahrens, ob die im Ausbildungsprogramm formulierten Kompetenzen vorhanden sind. Anschliessend wird ein PrA-Ausweis mit einem individuellen Kompetenznachweis ausgestellt.

Ins Arbeitsleben einsteigen

Nach Abschluss einer PrA eröffnen sich folgende Möglichkeiten:

  • Einstieg ins Arbeitsleben und Ausübung des gelernten Berufs im ersten Arbeitsmarkt oder in einem spezialisierten Betrieb des zweiten Arbeitsmarkts
  • Bei guten Leistungen Beginn einer EBA-Lehre und Erlangung eines eidg. Berufsattests (EBA)
  • betriebsinterne Weiterbildungen

Rund 40 Prozent der PrA-Absolventinnen und -Absolventen finden Arbeit im ersten Arbeitsmarkt und erhalten in der Regel einen Lohn, der anhand ihrer Leistungsfähigkeit ermittelt wird. Weitere 10 Prozent wechseln direkt in einen EBA-Ausbildungsplatz.

Praktikerinnen und Praktiker anstellen

PrA-Absolventinnen und -Absolventen verfügen über berufliche Grundfertigkeiten und Kenntnisse und können nach einer Einführungsphase oder unter Anleitung einfache Arbeiten selbstständig ausführen. Sie kennen die Arbeitsprozesse, die wichtigsten Materialien sowie deren Eigenschaften und setzen Werkzeuge, Maschinen und Hilfsmittel unter Berücksichtigung der Arbeitssicherheit und des Gesundheitsschutzes gezielt und fachgerecht ein. Sie bringen Kernkompetenzen wie Verlässlichkeit, Durchhaltevermögen, Lernfähigkeit und Arbeitsmotivation mit.

PrA-Berufe

Heute gibt es rund 50 PrA-Berufe (Übersicht unter www.insos.ch). Zu den meistgewählten PrA-Berufen gehören die PrA Hauswirtschaft, die PrA Küche, die PrA Gärtnerei, die PrA Logistik, die PrA Detailhandel, die PrA Betriebsunterhalt und die PrA Schreinerei. In diesen Branchen gelingt die berufliche Integration am häufigsten.

Ausbildungsorte

Die berufspraktische und berufskundliche Bildung erfolgt in der Regel an vier Tagen pro Woche in einer Institution oder in Begleitung eines fachkundigen JobCoaches in einem Betrieb des ersten Arbeitsmarkts («supported education»). Praktika sind fester Bestandteil einer PrA und werden idealerweise im ersten Arbeitsmarkt absolviert. Die schulische Bildung findet in einer spezialisierten internen oder externen Berufsschule statt. Heute bieten rund 165 INSOS-Institutionen PrA-Ausbildungsplätze an. Sie bilden jährlich rund 1200 Jugendliche aus.

Anforderung an Ausbildungsbetriebe

Ausbildungsbetriebe müssen Mitglied bei INSOS Schweiz sein und über eine kantonale Bildungsbewilligung für berufliche Grundbildungen (EBA/EFZ) verfügen. INSOS-Institutionen ohne Bildungsbewilligung haben die Möglichkeit, auf Antrag bei INSOS als PrA-Anbieter anerkannt zu werden. Unternehmen des ersten Arbeitsmarkts können, wenn sie die PrA-Richtlinien erfüllen, eine Bildungslizenz erwerben und erhalten dann die notwendigen Dokumente und Unterstützung. PrA-Anbieter verpflichten sich, den Lernenden von Anfang an die für ihre berufliche Integration notwendige Unterstützung und Förderung zu bieten (z.B. Praktika, Hilfe bei der Stellensuche, Arbeitsvermittlung).

Kosten

Die Kosten einer PrA hängen vom individuellen Unterstützungsbedarf einer Person ab. Sie werden gemeinsam mit dem Kostenträger ermittelt. Bei Lernenden mit einer Beeinträchtigung wird die PrA in der Regel über eine berufliche Massnahme der IV finanziert.

Berufsbildung mit Anschluss statt Ausschluss

INSOS Schweiz setzt sich mit der PrA im Sinn der UN-Behindertenrechtskonvention für eine mehrjährige Berufsbildung für alle Jugendlichen ein – auch für jene mit besonderem Unterstützungsbedarf. Eine PrA setzt keine Kompetenzen voraus und soll für alle zugänglich sein. Jugendliche mit schwerer Beeinträchtigung erlernen eine Auswahl an Kompetenzen aus dem Ausbildungsprogramm. Die Durchlässigkeit ist durch die Abstimmung der Inhalte mit der EBA gewährleistet.