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Bibliotheks-Stafette (Folge V)

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Die Gemeinde-Bibliothek in Hausen am Albis stellt sich vor

Mitten im Säuliamt liegt die Gemeinde Hausen am Albis, ein idyllisches ehemaliges Bauerndorf am Fusse des Albis. Viele alte Fachwerk-Häuser, prächtige Wiesen und Wälder und eine grandiose Sicht in die Glarner-, Innerschweizer- und Berner-Alpen verleihen Hausen den Status einer zusehens begehrten Wohngegend.

Bibliothek Hausen am Albis

Zentral in eben diesem Dorf steht das über 100-jährige Gemeindehaus, erbaut vom Architekten Franz Bruno Frisch, dem Vater des Schriftstellers Max Frisch. Der Ausstattung der beiden repräsentativen Räume im Parterre – dem Sitzungszimmer des Gemeinderates sowie dem Gemeindesaal - wurde damals mit besonderer Sorgfalt Rechnung getragen, was die heutige Bibliothek zum historischen Blickfang macht.

Nach der Einführung des Frauenstimmrechts anfangs der 70-er Jahre nämlich wurde der schmucke Gemeindesaal zu eng für die erweiterte politisch aktive Bevölkerung und es wurde beschlossen, den Raum für 35'000 Franken umzubauen und die Bibliothek samt Ortsmuseum dort einzurichten. Vor genau 40 Jahren, im November 1975, wurde die neue Bibliothek eingeweiht. Die Besucherzahl sei von Anfang an „stürmisch“ gewesen, vermeldet die Chronik. Kein Wunder, bei insgesamt 3,5 Std. Öffnungszeit pro Woche zu einem Stundenlohn übrigens von Fr. 8.00!

Dieses Jahr feiern wir das 40-jährige Jubiläum, und es freut uns, zu diesem Anlass unsere Bibliothek im Newsletter der Fachstelle Bibliotheken offiziell vorstellen zu dürfen.

Bibliothek Hausen am Albis

Voilà - treten Sie also ein in das Reich der Sinne und des Wohlgefühls! Durch eine massive zweiflüglige Holztür, gesäumt von mächtigen Steinsäulen, betreten Sie den rund 80 qm kleinen Raum und halten schon mal den Atem an! Sie bestaunen die reich bemalte Decke, die getäferten Wände, die vielen hellen Fenster, die immer wieder durch Steinsäulen unterteilt und gleichzeitig betont werden. Ihr Blick fällt auf die einladenden, auffällig würdevollen Holzbänke entlang den Wänden mit den blauen Sitzkissen. Sie reiben sich die Augen. Sie spüren, wie die Zeit stehen bleibt, Sie wähnen sich schon im vorletzten Jahrhundert, doch entdecken Sie rechtzeitig die moderne Einrichtung! Im eleganten anthrazitfarbenen Regalsystem präsentieren sich die bunten Bücherrücken, die Covers der CDs, DVDs, der Zeitschriften und anderer Herrlichkeiten. Die grosszügige Empfangstheke ist ganz in Blau gehalten, demselben Farbton, der auch in der historischen Deckenbemalung vorherrscht. Die grosse und kleine Kundschaft wird also gleich bei Eintritt freundlich und sehr persönlich empfangen, bevor es auf die Schatzsuche geht.

Bibliothek Hausen am Albis

Aber so setzen Sie sich doch. Unser heller Tisch in der Mitte des Raumes lädt Sie ein zum Schmökern, Erholen, Zuhören. Bedienen Sie sich aus der stets mit frischen Äpfeln gefüllten Schale – Sie müssen sich nicht mit knurrendem Magen für Ihr Lieblingsbuch entscheiden! Wenn Sie uns am Donnerstagmorgen besuchen, kommen Sie in den Genuss einer Tasse Kaffee – gratis natürlich, denn der Kunde ist König! Für besondere Wünsche steht Ihnen ein Wunschbuch offen, wo Sie eintragen dürfen, wonach Sie gelüstet. Wenn immer möglich, halten Sie das erhoffte Medium innerhalb weniger Tage bereits in den Händen.

Man kennt uns im ganzen Dorf – die vier freundlichen, lebens- und fachkompetenten Bibliothekarinnen, die alle auch in der Gemeinde wohnhaft sind:

Silvia Scheiwiller hat in 19 Dienstjahren (!) die ganze rasante Entwicklung im Bibliothekswesen erlebt und mitgetragen. Katrin Tandler steht im 6. Dienstjahr und möchte im nächsten Jahr den Leitungskurs der ZB Zürich besuchen. Lourdes Kreidler, unsere jüngste Kollegin im Team mit Wurzeln in Peru, verhilft unserer Werbung dank ihrem IT- und Grafik-Wissen zu einem professionellen Auftritt. Susi Fischli Benz leitet die Bibliothek im 7. Jahr und ist z.Z. in Weiterbildung im literarischen Bereich.

Dank konstanter fachlicher Aus- und Weiterbildung kennen wir die Bedürfnisse einer modernen Bibliothek und können wir Schritt halten mit der rasanten Entwicklung gerade im digitalen Bereich. Wir nutzen zudem den Service der Regionalbibliothek in Affoltern a.A. (RBA), wo wir regelmässig in Fremdausleihe zusätzliche Medien, vor allem DVDs, Hörbücher, Gameboy-Spiele beziehen. Und ja – natürlich bieten wir unserer Kundschaft das WebOpac und die digitale Ausleihe (Dibiost).

Hinter jedem Erfolg steckt ein starkes Team! Wir pflegen ein gutes Einvernehmen untereinander, wir motivieren und unterstützen uns aktiv. An der wöchentlichen Teamsitzung besprechen wir, was wichtig erscheint für einen reibungslosen Ablauf in der Bibliothek. Auf diese Weise teilen und mehren wir unser Wissen, was den Vorteil hat, dass wir einander problemlos vertreten können. Wir lieben unsere Arbeit, schätzen einander und legen Wert auf die eigene Zufriedenheit wie auf jene unserer kleinen und grossen Kundschaft. Diese dankt es uns mit regelmässigem Besuch, mit Worten*, Briefen und Lächeln. Dieser Wert steht über dem ständigen Kampf um zeitgemässe Lohnvorstellungen!

*Bemerkung eines Kunden im Frühling 2015: 
«Oh Entschuldigung, jetzt habe ich Sie einfach geduzt – aber fühle mich hier eben wie zuhause»!  

Mit einem bescheidenen Budget, jedoch viel Herzblut und Engagement nehmen wir unseren Auftrag wahr. Im Schnitt bieten wir nebst der Ausleihe jährlich zwei Abendlesungen mit aktuellen Autoren, eine sehr geschätzte Nachmittags-Lesung für SeniorInnen, zwei Veranstaltungen für Kinder und vierteljährliche Buchstart-Treffs. Selbstverständlich verwöhnen wir die BesucherInnen mit feinen Apéros, mit Getränken oder auch mal mit einem kleinen Willkommenspräsent. Ein abschliessender Artikel in der Zeitung hilft zudem, die Aktivitäten in der Hausemer Bibliothek in Erinnerung zu rufen. Zu erwähnen sind auch die Lesebank-Aktion während des Sommers oder die Erzähl-Nacht im November, die wir alle zwei oder drei Jahre mittragen.

Ein wichtiger Zweig unserer Arbeit bedeuten die 11 Schulklassen, die wir regelmässig betreuen. Die Kinder kommen mit Freude in die Bibliothek und lassen sich gerne beraten für den Vortrag, die Klassenlektüre oder auch mal einen Comic. Mit den Lehrpersonen verbindet uns ein ungezwungener, freundschaftlicher Kontakt, und gerne erfüllen wir die vielfältigen Wünsche unserer SchülerInnen.

Wir pflegen mit Interesse das Netzwerk zwischen den 14 Ämtler-Bibliotheken. Dadurch bieten sich wertvolle Möglichkeiten der Begegnung und des Austauschs. Wir lernen uns auf diese Weise nicht nur persönlich kennen, sondern profitieren auch regelmässig von den gegenseitigen Erfahrungen. So entstand u.a. auch die gemeinsame Idee, abwechselnd Buch-Tipps zu schreiben in der regionalen Zeitung. Die positive Resonanz aus den Gemeinden ist enorm, die Leute haben Freude, „ihre“ Bibliothekarinnen mit Föteli und persönlich verfasstem Text in der Zeitung zu entdecken. Logisch, dass die Nachfrage nach den vorgestellten Büchern in allen Gemeinden gross ist und oft neue Kunden anzieht.

Die Arbeit im Gemeindehaus aber bietet noch eine andere, sehr wichtige Qualität: Wir Bibliothekarinnen sind willkommen und eingebunden im Kreis der Mitarbeitenden der Gemeindeverwaltung. Man kennt sich untereinander, begegnet sich auf den drei Etagen im Haus, feiert Geburtstage, Dienstjubiläen, und einmal im Jahr geht man gemeinsam auf den Betriebsausflug. Anfangs Jahr lädt der Gemeinderat alle Mitarbeitenden zum gemeinsamen Abendessen ein, was zu schönen und persönlichen Momenten führt. Diese Erlebnisse fördern die gute Zusammenarbeit und den offenen Geist im altehrwürdigen Gemeindehaus.

Die Leiterin nimmt teil an den regelmässigen Kadersitzungen der Gemeindeverwaltung und ist entsprechend informiert über vieles, was an Gemeindeaufgaben ansteht. Umgekehrt kann sie über das Geschehen in der Bibliothek berichten, kann Wünsche anbringen, Fragen klären. Dies erscheint uns eine sehr wichtige Errungenschaft, verhilft uns dieser Austausch zu einer stabilen Stimme im Gemeindehaus.

Dass diese Stimme „buchstäblich“ hinausklinge ins Dorf, zu möglichst vielen interessierten und zufriedenen BibliotheksbesucherInnen, das wünschen wir uns auch in Zukunft.

Für die Bibliothek Hausen a.A.: Susi Fischli Benz

 

Für die Statistik-Freaks hier noch ein paar Zahlen (31.12.2014):

WasWieviel 
Öffnungszeit13 Std./Woche (April bis September) und
15 Std./Woche (Oktober bis März)
 
Einwohner3’442, davon 506 Bibliotheksbenutzer 
Bestand9’273 Medien 
Ausleihe31’251 

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