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Die Makerbewegung ist im Kanton Zürich angekommen

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MakerDay, Winterthur - Librobot
MakerDay - Librobot

Der Makerspace in der Stadtbibliothek Winterthur existiert seit dem Frühjahr 2015. Mit dem MakerDay im Herbst trat dieser erstmals an die Öffentlichkeit. Die Ausstellerinnen und Aussteller präsentierten innovative und kreative Ideen, wie digitale Geräte und Programme einfach und zweckorientiert für alltägliche Anwendungen eingesetzt werden können. «Programmieren leicht gemacht» zeigte etwa der eigens für die Winterthurer Bibliotheken produzierte Lernroboter «Librobot» des Instituts für mechatronische Systeme der zhaw. Auf einem andern Geschoss war zu lernen, wie sich eine Fütterungsmaschine für die Hauskatze über die Schaltbausteine «Littlebits» programmieren lässt, und beim MakeyMakey bekam selbst die unmusikalischste Person Lust zu komponieren. «Gemeinsam lernen» und «Selber machen» sind die Schlüsselwerte der Makerbewegung, die nun auch im Kanton Zürich angekommen ist.

Warum engagieren sich die Winterthurer Bibliotheken in der Makerbewegung? Kernaufgabe der öffentlichen Bibliotheken ist seit 100 Jahren die Wissensvermittlung. Die alte Volksbibliothek Ende des 19. Jahrhunderts bezog ihre Legitimation aus dem Informationsdefizit der Arbeiterbewegung, das sie befriedigte. Doch längst ist aus dem zu wenig ein zu viel an Information geworden. Recherchetechniken und Content-Vermittlung halfen, den Überfluss zu bändigen. Leseförderung ist heute unbestritten eine Aufgabe der Bibliotheken. Doch diese Wissenstechnik prägte die vergangenen Jahrhunderte. Die Zukunft gehört neuen Anwendungen. Mit dem «Programmieren» wird der Alltag im 21. Jahrhundert gestaltet und gerade die Vermittlung dieser Fähigkeit muss die künftige Aufgabe der öffentlichen Bibliothek sein, will sie ihre Rolle als Wissensvermittlerin weiter rechtfertigen.

Zwei Anwendungsbeispiele: Neue Häuser besitzen intelligente Heizsysteme. Sie erlauben ökonomisch und ökologisch bewusst zu heizen. Doch wer verfügt über die Programmier-Kenntnisse, das komplexe System zu optimieren? Bibliotheken sollen hier beraten. Oder: die Winterthurer Bibliotheken bieten E-Books an. Um diese nutzen zu können, verlangte 2014 ein Drittel aller Abonnenten Unterstützung, um die nötigen Apps auf die mobilen Träger zu laden.

MakerDay, Winterthur - Tools
MakerDay - Für Interessierte, Laien und Fachleute

Makerspaces sind heute keine Seltenheit mehr in Bibliotheken – international gesehen. Entsprechend vielfältig sind die verschiedenen Betriebskonzepte. Wie versteht das Team des Winterthurer Makerspaces seine Aufgabe? In einer ersten Phase sollen Kunden zu einfachen Programmierungen beraten und bei der Herstellung digitaler Produkte unterstützt werden, zum Beispiel beim Digitalisieren von Musik oder beim Lancieren eines persönlichen Blogs. Das Software-Angebot besteht fast ausschliesslich aus Open-Source-Produkten, zum Beispiel zum Schneiden von Filmen oder zum Gestalten von E-Books. Was in der Bibliothek in one-to-one-Beratungen und in Workshops vermittelt wird, sollen die Bibliothekskund/innen auch zu Hause anwenden können. Ein weiterer wichtiger Baustein ist das Vermitteln von Informationen und Know-how. So bietet sich die Bibliothek als Ort an, wo all die Interessierten, Laien und Fachleute zusammenkommen, die sich für gleiche oder ähnliche Dinge interessieren. In den Aufbau eines lokalen Maker-Netzwerks investierte das Winterthurer Personal zwei Jahre. In diesem Netz lebt ein kreativer Geist, wo Neues entstehen und Bewährtes neu gedacht werden kann. Dieser Idee folgen die Winterthurer Bibliotheken - und bieten so der lokalen Makerbewegung eine glänzende Ausgangslage, Wissensmanagement und Wissenstransfer neu zu definieren und neu zu gestalten.

Hermann Romer

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