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Bibliotheksstaffette XI: Hittnau

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Bibliotheksstafette aus der Schul- und Gemeindebibliothek Hittnau: Hat der neu definierte Berufsauftrag der Lehrpersonen Einfluss auf die Bibliotheksmitarbeit?

Cristina Märki, Leiterin der Bibliothek Hittnau, geht dieser Frage nach. Bereits heute sind die verschiedenen Tätigkeitsbereiche von Lehrpersonen im Lehrpersonalgesetz definiert. Im «neu definierten Berufsauftrag für Lehrpersonen» werden diese Bereiche konkretisiert und quantifiziert.  

Die fünf Tätigkeitsbereiche der Lehrpersonen

Für den Unterricht, die Hauptaufgabe einer Lehrperson, stehen in der Regel rund 84% der Nettoarbeitszeit zur Verfügung. Neben dem Unterricht gliedert sich der Berufsauftrag einer Lehrperson in vier weitere Aufgabenbereiche: Schule, Zusammenarbeit, Weiterbildung und Klassenlehrer. Einer Klassenlehrperson werden pauschal 100 Stunden angerechnet. Die den fünf Tätigkeitsbereichen zugeordneten Arbeitsstunden sind – abhängig vom Alter – kleiner als die zu leistende Nettoarbeitszeit. Bei einer unter 50-jährigen Lehrperson mit Klassenverantwortung ergibt sich so ein Rest von jährlich 68 Arbeitsstunden; bei einer Lehrperson ohne Klassenverantwortung 168 Stunden. Diese Stunden werden in den Tätigkeitsbereichen Unterricht, Schule, Zusammenarbeit und Weiterbildung eingesetzt.

Zusätzliche Aufgaben

Weitere Arbeiten, die in einer Schule anfallen, sind im Rahmen der fünf Tätigkeitsbereiche zu erledigen. Aufgaben, für die keine Qualifikation als Lehrperson nötig ist, können in separaten Arbeitsverträgen nach kommunalem Personalrecht geregelt werden. Sehr aufwändige Aufgaben können auch durch die Gemeinde entschädigt werden.

Seit Veröffentlichung des neu definierten Berufsauftrages stellt sich auch für Bibliotheken die Frage, inwieweit die Bibliotheksarbeit in Schulen zu den zusätzlichen Aufgaben einer Lehrperson gehören.  

In unserer gemischten Schul- und Gemeindebibliothek in Hittnau beispielsweise arbeiten zwei Lehrpersonen mit. Sie sind das Verbindungsglied zwischen Bibliothek und Schule. Sie helfen den Bibliothekarinnen in der Ausleihe und vertreten ihre Anliegen im Schulteam. Anlässe und Projekte werden durch die Schule und Lehrpersonen unterstützt und mitgetragen. Die früher als «Ämtli» zu besetzende Tätigkeit wurde im Laufe der Jahre professionalisiert und zu einer bezahlten Nebentätigkeit definiert. Dadurch konnten motivierte Lehrpersonen gewonnen werden, welche diese Arbeit über einen längeren Zeitraum ausführten.

Für die Bibliothek ist es wichtig, motivierte Lehrpersonen im Team zu haben. Dadurch können die Arbeitsqualität und Kundenzufriedenheit garantiert werden. Eine Einarbeitung ist immer mit Aufwand und zusätzlicher Ausbildung verbunden. Hier stellt sich die Frage: Soll die Bibliotheksarbeit wieder als «Ämtli» eingeführt werden? Cristina Märki, Bibliotheksleiterin, meint nein. Die Ausleihe während den Öffnungszeiten ist keine Arbeit, die zwingend von einer Lehrperson ausgeübt werden muss. Gleichwohl wird diese als wertvoll erachtet, um eine gute Kundenbindung zu erreichen. Die Lehrpersonen bekommen ein Gespür dafür, was die Kunden – ob klein oder gross – sich von einer Bibliothek wünschen. Sie erkennen, welche Dienstleistungen erbracht werden müssen oder wo Unterstützung verlangt wird. Die Teamsitzungen und Projektmitarbeit jedoch könnte man durchaus als Zusatzaufgabe, die in einer Schule anfallen, definieren. In der Gemeinde Hittnau wird die Tätigkeit in der Bibliothek ab Sommer 2017 erneut aufgeteilt. Die Ausleihe wird weiterhin als bezahlte Nebentätigkeit einer Lehrperson gelten. Die Sitzungs- und Projektorganisationsstunden aber werden als Zusatzaufgaben angesehen, die zulasten der Schule gehen. Als «Ämtli» wird diese Aufgabe jedoch nicht wieder eingeführt.

Cristina Märki, Leiterin SGB Hittnau

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