Veröffentlichungen

Wyländer Buechstar 2015 – Leseförderungsprojekt der Weinländer Bibliotheken

Zurück zur Übersicht

Aller Anfang ist gar nicht so schwer

Gemeinsame Projekte für die Bibliotheken der Region Winterthur-Andelfingen zu organisieren, ist für die fünf Weinländer Bibliotheksleiterinnen Rita Schneider (Andelfingen), Käthi Baldegger (Marthalen und Feuerthalen), Monika Gross (Stammertal), Carla Höhn (Rheinau) und den Leiter Heribert Frei (Ossingen), eigentlich nichts mehr Neues. Mit viel Engagement verfolgen sie seit rund drei Jahren die Idee, dank gemeinsamer Aktivitäten Ressourcen zu sparen und die Bibliotheken vermehrt ins mediale Rampenlicht zu rücken. Ob sie allerdings ihr neustes Kind, eine Art «Bookstar» in Kleinformat, bei der Fachstelle Bibliotheken als Projekt einreichen sollten, war dann doch eine ganz andere Frage. Nachdem sich aber zwölf Weinländer Bibliotheken spontan bereit erklärt hatten, das Projekt mitzutragen, haben sie den Schritt gewagt und sind bei Tobias Schelling auf offene Ohren und wohlwollende Unterstützung gestossen. Das Leseförderungsprojekt «Wyländer Buechstar» war geboren.

Die Ausgangslage

Die Bibliotheken im Zürcher Weinland arbeiten weitestgehend autonom. Zusammenarbeit findet nur auf persönlicher, nicht aber auf institutioneller Ebene statt. Allerdings besteht mit WiWiAn, dem Netzwerk der Bezirke Winterthur-Stadt, Winterthur-Land und Andelfingen, ein gut etabliertes Beziehungsnetz, welches den Kontakt unter den Bibliotheken pflegt. Die fünf Weinländer Bibliotheksleiterinnen und -leiter laden denn auch immer alle WiWian-Bibliotheken ein, an ihren Aktivitäten teilzunehmen. Sie liefern Idee, Design, Organisation, den Kontakt zu den Medien und, bei Bedarf, das Material. Wie viel Aufwand ein Bibliotheksteam zusätzlich betreiben will oder kann, ist jeder Bibliothek selber überlassen. Für das vorliegende Projekt wurde das Gebiet allerdings, aus rein logistischen Gründen, ausnahmsweise auf das Zürcher Weinland beschränkt.

Der «Wyländer Buechstar» Schritt für Schritt

Was liegt näher als ein Leseförderungsprojekt zu wählen, welches gleichzeitig die regionale Vernetzung der Bibliotheken und die Zusammenarbeit mit der Schule festigt, die Freude am Lesen weckt und noch mehr Schülerinnen und Schüler zum regelmässigen Besuch einer Bibliothek animiert. Falls während der Ideenphase Skepsis ob der Vielzahl der Ziele aufgekommen ist, haben die fünf Initianten diese geflissentlich übergangen. Hat man nicht in diversen Weiterbildungen gelernt, das Licht nicht immer unter den Scheffel zu stellen?

Mit dem «Bookstar» war schnell ein Vorbild gefunden. Im Gegensatz zum «Bookstar» kamen beim «Buechstar» allerdings die 4. bis 6. Klässler zum Zug. Auch spielte sich der Buechstar ausschliesslich im Schulzimmer oder in der Bibliothek ab, um den persönlichen Kontakt zu den Schülern zu wahren. Das einzige Zugeständnis an die moderne Technik war eine eigens für die Punkteerfassung eingerichtete Homepage. Damit wurde einerseits die geografische Distanz der Bibliotheken überwunden, eine der Herausforderungen dieses Projekts, andererseits konnten sich so alle Beteiligten jederzeit über den momentanen Rang ihres Lieblingsbuches informieren.

Belohnt wurde bei diesem Projekt nicht der Autor, sondern die Schülerinnen und Schüler, welche sich als Leser und Kritiker betätigten. Ohne Motivation ging natürlich auch hier nichts. Am Schluss des Projekts winkten verschiedene Preise. Dass die Vielleser für einmal die grössten Chancen hatten, war durchaus gewollt.

Wyländer Buechstar 2015 – Leseförderungsprojekt - Bild/Quelle: Shortlist. Design: Rita Schneider, Andelfingen
Shortlist. Design: Rita Schneider, Andelfingen

Die Schüler durften bereits bei der Buchauswahl eine erste Stimme abgeben. Während dreier Tage hingen Poster mit den Titelbildern von 25 Neuerscheinungen in den Schulzimmern. Die Schüler durften drei Titel auswählen, welche in die Endauswahl aufgenommen werden sollten. Die 15 Titel, die in der Region am meisten Stimmen erhielten, wurden auf die Shortlist gesetzt und angeschafft. Dank des kantonalen Beitrags konnten alle Bibliotheken einen Satz Bücher kostenlos in Empfang nehmen.

Vom 20. März bis 18. Juni 2015 durften die Schüler die 15 gewählten Bücher in ihrer Bibliothek ausleihen, lesen und mittels einer beigelegten Karte bewerten. Da sich unter den Büchern doch auch ein paar dickere Wälzer befanden, war diese Zeit etwas kurz bemessen. Trotzdem hat es in Rheinau eine Schülerin geschafft, alle Bücher zu lesen. In Andelfingen hat sich ein Mädchen beklagt, dass ihre Schwester nur noch am Lesen sei, anstatt mit ihr zu spielen. In Flaach haben die Lehrer den «Buechstar» gleich zum Leseprojekt des Sommers erklärt und damit natürlich einige «obligatorische» Bewertungskarten generiert. Obwohl die grösseren Bibliotheken die Bücher in doppelter Auflage besorgt haben, sind zum Teil lange Wartelisten entstanden. Die typischen Mädchenbücher, aber auch die im Moment sehr beliebten Comic-Romane lieferten sich bald ein spannendes Rennen. Andere Bücher wurden zwar ausgeliehen, erhielten aber zum Teil vernichtende Kritiken. Die Schüler konnten aus fünf Kriterien auswählen. Von «absolut genial» bis «mies» war alles dabei. Unter «Das hat mir besonders gefallen», konnten sie zudem einen kurzen Kommentar abgeben. Die lustigen, zum Teil bissigen oder gar schonungslosen Kritiken («Mir hat absolut nichts gefallen…»), wären allein schon einen Artikel in diesem Newsletter wert.

Wyländer Buechstar 2015 – Leseförderungsprojekt – Bild/Quelle: Homepage: Heribert Frei, Ossingen
Homepage: Heribert Frei, Ossingen

Folgende drei Lieblingsbücher wurden erkoren: 1. «Einmal Star und nie wieder» von Sabine Zett, 2. «Gestrandet auf Schloss Bernstein» von Andrea Russo und 3. «Nur dieser eine Sommer» von Becky Citra.

Wir sind Sieger

Wyländer Buechstar 2015 – Leseförderungsprojekt – Foto: Rita Schneider, Andelfingen
Foto: Rita Schneider, Andelfingen

Von den vielen Zielvorstellungen, welche dieses Projekt hatte, wurde eine ganz besonders erfüllt: Die Bibliotheken sind einmal mehr zusammengerückt. Die vielen strahlenden Gesichter der BibliothekarInnen haben sicher den einen oder anderen aussenstehenden Betrachter staunen lassen, was das wohl für eine glückliche Truppe ist, die sich am 24. Juni im Bücherbistro Lindenmühle in Andelfingen zur Schlussverlosung eingefunden hat. Aus 643 Bewertungskarten zog Claudia Malten, Buchhändlerin und Glücksfee, jeweils vier Gewinner pro Bibliothek. Die Vertreterinnen und der Vertreter der Bibliotheken nahmen im Namen ihrer Leseratten je drei Büchergutscheine à je Fr. 20.- und ein Buch für den oder die Viertplatzierte entgegen.

Gewonnen hat aber vor allem auch die Zusammenarbeit mit den Schulen. Dank der Poster-Aktion im Schulzimmer wurden auch die Kinder, welche die Bibliothek normalerweise nicht besuchen, auf den «Buechstar» aufmerksam. Auch wenn nicht alle Lehrkräfte dieses Projekt mit gleichem Enthusiasmus umgesetzt haben, so haben sich doch alle über das Projekt gefreut und sich für das Engagement bei den Bibliotheken bedankt. Die Tür für eine weitere, erfolgreiche Zusammenarbeit ist einmal mehr weit aufgestossen worden.

Fazit

Der Lernfaktor eines solchen Projekts ist enorm gross. Die Zeitspanne von der Idee bis zur Realisierung war kurz und die Kritik am Zeitmanagement durchaus berechtigt. Dass sich das Team für dieses Projekt Neuerscheinungen gewünscht hatte, bereitete dann doch ziemliches Kopfzerbrechen, denn die Erscheinungstermine wurden immer wieder nach hinten verschoben. Trotz dieser (kleinen) Startschwierigkeiten haben es alle Bibliotheksteams geschafft, den Ablauf innert kürzester Zeit zu organisieren. Das zeigt, wie flexibel und effizient unsere Bibliotheken arbeiten. Ihnen allen gebührt ein grosses Lob und Dankeschön!

Die Projekteingabe hat sich gelohnt, nicht nur finanziell. Nicht nur konnte jede Bibliothek einen Satz Bücher und die Bewertungskarten entgegennehmen, die Akzeptanz des Projekts ist dadurch enorm gestiegen. Das Antragsformular hat zwar seine Tücken, die Fragestellungen helfen aber, sich ganz genau mit dem Projekt auseinanderzusetzen. Dank Tobias Schellings Unterstützung ist schlussendlich alles ganz schnell und unbürokratisch über die Bühne gegangen. Die Hürden für einen Projektantrag sind definitiv nicht so hoch, wie sie auf den ersten Blick erscheinen mögen. Nur Mut - Ein Versuch ist es auf jeden Fall wert.

Dank den Berichten in der «Andelfinger Zeitung» und in den ortsansässigen Gemeindemitteilungen kam der «Wyländer Buechstar» zu einiger Bekanntheit. Die Weinländer Bibliotheken können es sich allein schon deshalb gar nicht mehr leisten auf eine Neuauflage zu verzichten. Zu viele Kinder freuen sich bereits darauf und, um ehrlich zu sein, die Bibliotheksteams auch!

Monika Gross, Stammertal

Zurück zur Übersicht