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Bibliotheks-Stafette X: Gemeinde- und Schulbibliothek Langnau am Albis

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Im grünen Sihltal, eingebettet zwischen dem Albis, dem Zimmerberg und dem Wildpark, liegt Langnau, eine Gemeinde mit rund 7 500 Einwohnern. Zürich ist nah und im 10-Minuten-Takt mit der Sihltalbahn einfach zu erreichen. Trotz der Nähe zur Stadt hat Langnau seinen dörflichen Charakter beibehalten und bietet ein lebendiges Dorfleben.

2009 wurde das Zentrum überbaut und ein neuer Dorfplatz entstand, ein unglaublicher Glücksfall für die Bibliothek! Nach 40 Jahren im Untergrund konnte eine neue Liegenschaft mit grossen Schaufenstern direkt am Dorfplatz bezogen werden. Zwischen Einkaufszentrum, Schule und Gemeindehaus gelegen, also mitten im Herzen der Gemeinde, erhielten wir somit den perfekten Standort und die Gelegenheit, unsere Bibliotheksarbeit von Grund auf zu verändern. 

Unsere Idee war es, möglichst vielen Bevölkerungsschichten und Interessengruppen Raum zu bieten. Einige Beispiele dazu: Pro Senectute betreibt in unseren Räumlichkeiten für Senioren eine «Computeria», eine Beratungsstelle rund um den Computer. Es ist eine Win-Win-Situation, die vier Computerarbeitsplätze samt Drucker stehen in der restlichen Zeit unseren Kunden gratis zur Verfügung. Unsere Schaufenster werden regelmässig von Vereinen dekoriert, um so für ihre Anliegen zu werben. Der Geschichtsverein organisiert eine historische Lesung in der Bibliothek, die örtliche Drogerie einen Vortrag zum Thema Entschlackung. In den Schulferien bietet die Schule in der Bibliothek eine Literaturwerkstatt für Kinder an. Der monatliche «Englishbookclub» wurde anfänglich von einer unserer ausländischen Kundinnen organisiert, und auch der monatlich stattfindende Lesezirkel wird von den Teilnehmerinnen aktiv mitgestaltet. Eine wöchentliche Sprechstunde für Flüchtlinge ist ebenfalls in der Bibliothek integriert, ein Angebot vom Besuchsdienst der Kirche. Teilweise wird die Bibliotheksarbeit also von externen Institutionen und Personen organisiert, praktischer Nebeneffekt: Kostenneutralität. Ausserdem fühlen sich auch Menschen angesprochen, die den Weg in die Bibliothek sonst vielleicht scheuen würden.

Bibliotheksstafette X: Dorfplatz Langnau mit Markt vor der Bibliothek
Dorfplatz Langnau mit Markt vor der Bibliothek

Langnau hat eine stark durchmischte Bevölkerungsstruktur. Als kombinierte Gemeinde- und Schulbibliothek bedienen wir ein vielfältiges Publikum. Wir versuchen, der Schule mit 750 Schülern und unseren erwachsenen Kunden aus verschiedenen Bildungsschichten gerecht zu werden.

Unsere grösste Kundin ist die Schule, wöchentlich besuchen uns zehn Schulklassen aus dem nahegelegenen Schulhaus, ebenso gut besucht wird unsere Filiale im zweiten Schulhaus. Die Lehrer schätzen unsere Angebote und nutzen sie intensiv, nicht zuletzt, weil wir aktiv auf sie zugehen, attraktive Lektionen anbieten, uns an Sitzungen mit dem Schulleiter Gehör verschaffen oder zum Lehrerlunch in die Bibliothek einladen.

Die angeschlossene Primarschule ist eine Quims-Schule (Qualität an multikulturellen Schulen, d.h. über 50 % der Schüler haben einen Migrationshintergrund). Deshalb bieten wir Kinder- und Jugendbücher in den neun meistgesprochenen Sprachen an. Um dieses Fremdsprachen-Angebot auch bei den Zielgruppen ausserhalb der Schule bekannt zu machen, laden wir z.B. die Eltern mit den Kindern der «Spielgruppe plus» (Spielgruppe mit zusätzlicher Sprachförderung) zum Znüni ein. Zusammen mit der Spielgruppenleiterin zeigen wir den Eltern auf, warum es wichtig ist, den Kindern auch in ihrer Muttersprache Geschichten zu erzählen.

Unsere Devise ist «Bibliothek macht Spass» und deshalb besuchen uns wohl auch viele Kinder in ihrer Freizeit, obwohl sie bereits mit den Lehrern regelmässig bei uns zu Gast sind. Glücklicherweise gibt es in unserer Bibliothek ein grosszügiges Untergeschoss, und die Kinder und Jugendlichen können unter sich auf den grossen Kissen «chillen», lesen, Tischfussball spielen oder in der Tip-Toi-Ecke verweilen. Für die Kleinsten finden monatlich Buchstart- und Kamishibaianlässe statt, für die Unterstufenschüler gibt es «Geschichten zum Zuhören» gleich nach Schulschluss. Es stehen auch ruhige Arbeitsplätze zur Verfügung, um Hausaufgaben zu lösen.

Bibliothekstafette X: Angebot der Gemeinde- und Schulbibliothek Langnau am Albis

Es ist eine Herausforderung für uns, neben der intensiven Arbeit mit der Schule und den Kindern auch eine gute Qualität für die erwachsenen Kunden zu bieten. Obenstehende Grafik zeigt, dass wir für die Erwachsenen ebenfalls eine breite Palette an Angeboten führen.

Im Vordergrund stehen aber immer noch Ausleihe und Beratung. Hier ist unsere Devise «jeder Kunde erhält das Gewünschte». Dafür betreiben wir einen verhältnismässig grossen Aufwand, bestellen praktisch alle Kundenwünsche, besorgen wöchentlich für unsere Kunden Medien aus der Nachbarsbibliothek oder machen auch mal «Homedelivery-Service» für kranke Kunden, die das Haus nicht verlassen können. Neu bieten wir auch das «Willkommens-Paket» von Bibliomedia an, um unsere fremdsprachigen Kunden beim Deutsch lernen zu unterstützen. Immer häufiger kommen auch Menschen in die Bibliothek, die (noch) keine Kunden sind und beanspruchen unsere Zeit und Hilfe bei der Onleihe, am Arbeitsplatz mit Internet und Drucker oder bitten um verschiedenste Informationen. Unser Betrieb wurde in den letzten Jahren stets lebendiger und von immer mehr Menschen frequentiert, obwohl die Ausleihzahlen stagnieren.

Diese Art von Bibliotheksarbeit bedingt Mitarbeiterinnen, welche mit Herzblut und Leidenschaft ihre Arbeit verrichten, bereit sind für stetige Veränderungen und «Vollgas» geben. Unser Team besteht aus genau sechs solchen Frauen! Mit einer Ausnahme leben alle seit Jahrzehnten in der Gemeinde, kennen die lokalen Gegebenheiten und können dadurch vernetzen und informieren. Mit Stolz können wir sagen, dass es uns gelungen ist, aus der Bibliothek Langnau einen beliebten Treffpunkt zu machen, einen Ort in dem die verschiedensten Menschen eine Anlaufstelle oder sogar Heimat gefunden haben. Einziger Wermutstropfen sind seit längerer Zeit unsere zu tiefen Löhne. Mit einer Kamishibai-Präsentation haben wir Politiker und unsere Vorgesetzten darauf aufmerksam gemacht und warten nun gespannt auf den Gemeinderatsentscheid. Aber egal wie dieser ausfällt, unserer Bibliotheksbegeisterung kann er nichts anhaben und wir bleiben dran.

Claudia Haag, Bibliothek Langnau am Albis

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